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Kita am Hasenwälchen

Frau Homuth lässt in der Zeitschrift „Unsere Bürgermeisterin“ mitteilen, dass die Kita am Hasenwäldchen in der jetzt gebauten Form Gesamtkosten von 7,8 Mio. € verursacht. Sie gibt keine Hinweise, wie sich die Kosten zusammensetzen. Damit ist ein Vergleich zwischen der alten und der neuen Kita-Planung nicht möglich. Stadtverordnete und Aufsichtsratsmitglieder verlangen seit Monaten eine transparente Aufstellung der Kosten, um zu prüfen, ob die Entscheidung der Bürgermeisterin, die alte Kita-Planung zu verwerfen, richtig war.

Herr Schulze, Geschäftsführer der WiWO, hat auf Geheiß der Bürgermeisterin immer wieder öffentlich behauptet, dass die Kosten der alten Kita-Planung „aus dem Ruder“ gelaufen seien. Er sprach zunächst von 11 bis 12 Mio. €, später sogar von bis zu 14 oder 15 Mio. €. Trotz mehrfacher Nachfrage von Stadtverordneten hat er die diese Kosten nie, selbst bis zum heutigen Tage, nicht belegt.

Am 29. September 2020 fand eine denkwürdige Stadtverordnetenversammlung statt, zu der auch der damalige Architekt, Herr May, eingeladen war. Zuvor hatte Herr May der WiWO, konkret Herrn Schulze, sowie weiteren Vertretern der Stadt und der WiWO neue Kostenberechnungen und Erläuterungen zugearbeitet, so dass Herr Schulze umfassend im Bild war. Auf Wunsch von Herrn Schulze hatte Herr May eine neue Kostenberechnung erarbeitet, die die aktuellen und gestiegenen Baukosten berücksichtigt, gleichzeitig aber bereits realisierte und zusätzlich erzielbare Einsparpotenziale beinhaltete. Dazu gab es von Juni bis Ende September 2020 regen Kommunikationsverkehr zwischen dem Planungsbüro, der WiWO und der Bürgermeisterin mit belastbaren Ergebnissen:

  • Die Bruttobaukosten für das Gebäude beliefen sich auf Basis einer seriösen Kostenberechnung auf 7,4 Mio. €
  • In diesen Kosten waren alle zuvor von der Stadt gewünschten Gestaltungsideen und Ausstattungen enthalten, beispielsweise auch eine hochwertige Be- und Lüftungsanlage
  • Das zusätzliche Einsparpotenzial ist mit rund 750 T€ ermittelt worden, wenn qualitative Abstriche beispielsweise bei den Fenstern und bei der Fassade vorgenommen werden, ohne die sonstige Architektur und Größe der Kita zu verändern
  • Somit war es planerisch abgesichert, dass das Gebäude – und nur dafür war Herr May verantwortlich, für Bruttobaukosten von deutlich unter 7 Mio. € hätte gebaut werden können

Obwohl in der Stadtverordnetenversammlung am 29. September 2020 der Architekt May von mehreren Stadtverordneten um Stellungnahme zu den Baukosten gebeten worden war, ist auf Vorschlag von Frau Ziervogel die Diskussion plötzlich abgewürgt worden, so dass Herr May gar nicht zu Wort kam. Ein Glück für die Bürgermeisterin und Herrn Schulze, weil damit die tatsächlich zu erwartenden Kosten für die alte Kita-Planung verheimlicht worden sind, bis zum heutigen Tage. Transparenz sieht anders aus.

Das im Frühjahr 2020 plötzlich von der Bürgermeisterin ausgerufene Budget von 10 Mio. € hat es vorher nicht gegeben, obgleich die WiWO zusammen mit der Stadt bestrebt war, die Kosten günstig zu halten. Es gab darüber zuvor auch keinerlei Erörterungen im Aufsichtsrat der WiWO oder mit der Geschäftsführung selbst. Es bestand zuvor Konsens, dass zunächst die einzelnen Gewerke in verschiedenen Qualitäten (z.B. Fassade in Putz, Holz, Klinker, Aluminium) ausgeschrieben werden. Es war miteinander verabredet, dass erst nach Vorliegen der Ausschreibungsergebnisse in den einzelnen Gewerken die Qualitäten entschieden werden, um die Gesamtkosten damit steuern zu können.

Die alte Kita-Planung war über viele Monate mit den Vertretern der Stadt (u.a. Herrn Anders, Herrn Rienitz und Herr Kolb), des Aufsichtsrates und den Verantwortlichen der Stadt für die Kindertagesstätten, Frau Hein und den Kita-Leiterinnen, entwickelt worden. Die Kosten sind laufend auf den aktuellen Stand gebracht worden, so dass zu jedem Zeitpunkt vollständige Transparenz herrschte.

Im Vergleich der Baukörper der alten und der neuen Planung lässt sich Folgendes festhalten:

  • Die neue Kita ist hinsichtlich der Nutzfläche kleiner und orientiert sich an den gesetzlichen Mindestwerten. Genau das ist aber zuvor von den Stadtverordneten, der Stadt und dem Aufsichtsrat der WiWO ausdrücklich nicht gewünscht gewesen. Man wollte eine großzügigere Kita.
  • Die Ausstattung der neuen Kita ist qualitativ geringer. Der Generalunternehmer hatte erhebliche Spielräume, auf der Grundlage der Leistungsbeschreibung die Qualitäten der Bauleistungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
  • Die neue Kita hat von vornherein Kunststofffenster und eine sehr einfache Putzfassade.
  • Die Lüftungsanlage in der neuen Kita ist nachträglich entschieden und eingebaut worden. Die Zusatzkosten lagen bei mehr als einer halben Mio. Euro. Die Lüftung erfolgt nun dezentral und nicht zentral, weil sie in der „Modulplanung“ ursprünglich nicht vorgesehen war. Deshalb musste man nach Fertigstellung des Rohbaus aufwendig umplanen und die Lüftung zimmerweise nachrüsten.
  • Frau Homuth behauptet, dass die jetzt gebauten Gruppenräume größer sind als bei der alten Kita-Planung. Diese Aussage erweckt den Eindruck, dass die Kita größer sei und für die Kinder mehr Fläche zur Verfügung steht. Das kann aber in keinem Fall richtig sein. Eine Überprüfung ist nicht möglich, weil seit Monaten die Pläne den Stadtverordneten nicht in les- und auswertbarer Form zur Verfügung gestellt werden. Entscheidend ist auch nicht die Größe eines Gruppenraumes, sondern die Fläche, die jedem Kind in seinem Gruppenraum und in der gesamten Kita zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich um eine planerische Kennziffer, die mit Sicherheit verfügbar ist, aber nicht veröffentlicht wird.
  • Die alte Kita-Planung verfügte über einen attraktiven und großzügigen Indoor-Bereich, der tagesbeleuchtet gewesen wäre. Das Nutzungskonzept war durchdacht und verfügte über wichtige und nützliche Detaillösungen. Bei der nunmehr gebauten Kita ist auf eine natürliche Beleuchtung der Indoor-Bereiche, die im Wesentlichen nur noch Erschließungsfunktion haben, verzichtet worden.

Unter der Leitung des damaligen Geschäftsführers, Herrn Kerber, hat die WiWO mehrfach schriftlich im April 2020 vorgeschlagen, auf Wunsch der Stadtverordneten die vorhandene Kita-Planung öffentlich auszuschreiben, um keine weitere Zeit zu verlieren. Weder der Gesellschafter noch der Aufsichtsrat haben darauf reagiert. Man wollte die Kita einfach nicht bauen, um ein Exempel zu statuieren. Das ist bereits zuvor versucht, worden, in dem man der WiWO plötzlich und unerwartet einen Vergaberechtsverstoß unterstellte, der ohne Grundlage war. Wäre man dem Vorschlag der damaligen Geschäftsführung gefolgt, hätte man den Bau der Kita nach erfolgter öffentlicher Ausschreibung des Rohbaus und der weiteren Gewerke im Juli 2020 beginnen können. Damit hätte man mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  • Die Stadt hätte sich vor weiteren Baukostensteigerungen geschützt.
  • Die Stadt hätte über eine für die Kinder deutlich attraktivere und größere Kita verfügt.
  • Die Stadt hätte auf mindestens 140 Plätze für Kinder unter drei Jahren (U3) zurückgreifen können. Die jetzt gebaute Kita verfügt lediglich über 70 U3-Plätze. Es ist bereits bekannt, dass das nun verfügbare U3-Angebot die große Nachfrage nicht deckt. Es besteht bereits zum Start ein großer Engpass.
  • Die Stadt hätte für das gesamte Areal, das letztendlich an den Hückelhovener Ring angrenzt, einen städtebaulich vernünftigen Auftakt gehabt. Es war von allen Seiten ein eindeutig geäußerter Wunsch, dass am Ortseingang von Wildau ein repräsentatives und städtebaulich reizvolles Gebäude steht, welches das Erscheinungsbild und das Image der Stadt als attraktiven Wohn-, Wissenschafts- und Arbeitsstandort positiv prägt.

Die Bauleistungen für die Kita waren nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung europaweit öffentlich auszuschreiben. Ein Generalunternehmer sollte gefunden werden. Die Planung sollte damals nach den Worten von Herrn Schulze nichts kosten, obwohl ein neuer Planer eingebunden worden war. Bei der Ausschreibung ist es zu erheblichen „Unregelmäßigkeiten“ gekommen, wie u.a. die Märkische Allgemeine Zeitung aufgedeckt hat. Es sickerte durch, dass Herr Schulze den Bau mit dem Bauträger Goldbeck realisieren wollte, der auch schon im A10-Center u.a. das Parkdeck gebaut hat. Die WiWO hatte sich zuvor von Goldbeck ein schlüsselfertiges Angebot übergeben lassen, das für die öffentliche Ausschreibung regelwidrig verwendet worden ist. Nachdem der Skandal aufgeflogen war, hatte sich die Fa. Goldbeck aus dem Geschäft zurückgezogen, um weitere Schäden für sich selbst zu vermeiden. Als einziger Bieter verblieb nach Verlängerung der Bieterfrist die Fa. Schneider Systembau GmbH aus Dresden, die allerdings nicht die zuvor als „günstig und herausragend“ eingeschätzte Modulbauweise umgesetzt hat. Es erfolgte ein Bau Stein auf Stein, wie er schon bei der damaligen Planung vorgesehen war.

Unter dem Strich muss leider festgestellt werden, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis aus Sicht der Stadt schlecht ist. Unter Berücksichtigung der zuvor entstandenen Kosten für die bisherige Kita-Planung werden die Gesamtkosten sicherlich mindestens 10 Mio. € erreichen.

Die Entscheidung der Bürgermeisterin, die alte Kita-Planung zu verwerfen, war unter fachlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein großer Fehler. Wenn man sich vorstellt, dass eine über mehrere Jahre im Konsens erarbeitete Planung, ein dafür entwickelter Bebauungsplan, eine Baugenehmigung und sogar schon eine ausgehobene Baugrube vorhanden waren, dann ist eine Änderung zu diesem Zeitpunkt absurd gewesen. Die bis dahin entstandenen Kosten betrugen rund 1,5 Mio. €, die bereits bezahlt waren. Zusätzlich mussten die Baugrube verschlossen (ca. 70 T€) und die bisherigen Planer (Gebäude, Haustechnik, Außenanlagen, etc.) sechsstellig abgefunden werden. Zumindest diese Kosten sind dem von der Bürgermeisterin angegebenen Betrag von 7,8 Mio. € hinzuzuaddieren. Ob weitere Kosten, beispielsweise für den bezugsfertigen Innenausbau, die Außenanlagen (ca. 1 Mio. €) oder die seitliche Erschließungsstrasse nebst Parkplätzen (ca. 500 T€) darin bereits enthalten sind, ist nicht bekannt. Weiterhin wäre es interessant zu wissen, ob die AWO als Mieter der Kita selbst Kosten für weitere Bauleistungen, die ursprünglich zulasten der WiWO bzw. der Stadt angefallen wären, trägt und ob dies Einfluss auf die Höhe der künftigen monatlichen Miete hat.

All diese Fragen wird man erst ehrlich aufarbeiten können, wenn das Amt des Bürgermeisters und damit auch die Gesellschaftervertretung der WiWO, neu besetzt sind. Eine der ersten Aufgaben einer neuen Bürgermeisterin bzw. eines neuen Bürgermeisters wird es sein, die Akten vollständig einzusehen, den bisherigen Planer, Herrn May, zur Aufklärung hinzuzuziehen und die Stadtverordneten umfassend zu informieren. Ebenso ist kritisch zu hinterfragen, ob der Aufsichtsrat der WiWO -insbesondere der Vorsitzende Mark Scheiner, Angela Homuth, Susanne Ziervogel und Kevin Weidler – tatsächlich die Interessen der Stadt Wildau vertritt, oder ob er seit inzwischen über zwei Jahren als Erfüllungsgehilfe und Schutzschild der Bürgermeisterin zur Vertuschung ihrer Machenschaften zulasten der Mieterinnen und Mieter und der Bürgerinnen und Bürger agiert.

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